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PLE vs. LMS

Personal Learning Environment


Personal Learning Environment vs. Learning Management System

Um mir noch einmal im Klaren darüber zu werden, wo die Unterschiede zwischen LMS und PLE liegen, versuche ich zuerst beide aus meiner Sicht zu definieren. Dabei geholfen haben mir Kalz & Schaffter, Attwell, Kerres, Baumgartner und Schulmeister.

Wenn ich mich an Schulmeisters Präsentation auf der PLE-Tagung in Schwyz zurück erinnere gehören auch Bücher, mein Computer, mein Arbeitstisch, ja sogar die Bibliothek zu meiner persönlichen Lernumgebung, daraus könnte man jetzt schliessen, dass zu meinem LMS auch die die Studienadministration und das LMS der Online Campus oder das Learning Lab gehören.
Ich möchte an dieser Stelle aber bewusst auf die im Studienbrief erwähnten technischen Konzepte von LMS und PLE eingehen.

Definition LMS

Ein Learning Management System (LMS) …
… ist webbasiert
… dient der Bereitstellung von Lerninhalten
… dient der Organisation von Lernprozessen
… soll die Nutzenden unterstützen
… ist eine Schnittstelle zwischen Lernenden und Bildungsinstitution
… übernimmt Verwaltungsaufgaben
… ermöglicht eine Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden so wie zwischen Lernenden und Lernenden
… ermöglicht das Abfragen von Wissensstand und Lernfortschritt
… steht unter der Kontrolle der Bildungsinstitution
… ist “aus einem Guss”
… unterstützt zumeist das formelle Lernen

Definition PLE

Ein Personal Learning Environment (PLE) …
… ist nicht klar definiert
… wird als (technisches) Konzept einer individuell ausgestalteten Lernumgebung verstanden
… steht unter der Kontrolle der Lernenden
… umfasst auch Schreibtisch, Bücher, Bibliothek, Computer, Zeitschriften etc.
… dient dazu Wissen zu entwickeln und zu teilen
… besteht aus einer Verknüpfung von verschiedenen Web-Services oder Social-Software
… unterstützt zumeist das informelle Lernen
… bietet Lernenden die Möglichkeit, verteilte Online-Informationen und -Ressourcen integrieren zu können
… bietet Lernenden die Möglichkeit, die gesammelten und erzeugten Produkte anderen zur Verfügung zu stellen
… dienen der Informationssuche  – Atwell et. al
… dienen dem Sammeln und Strukturieren von Lerninhalten/Wissen
… dienen dem Bearbeiten und Analysieren von Lerninhalten/Wissen
… dienen der Reflexion von Lerninhalten/Wissen *
… dienen dem Präsentieren und Repräsentieren von Ergebnissen/Wissen *
… dienen dem Teilen von gewonnenem Wissen *
… dienen dem Vernetzen mit anderen Personen (Wissensträgern) *

* Da erschliesst sich mir der Unterschied zu einem ePortfolio noch nicht ganz, vielleicht könnte aber das ePortfolio ein Teil einer PLE sein.

Ein PLE ist also eine “Lernanwendung, bei denen Lerner verteilte Online-Informationen, -Ressourcen oder -Kontakte einerseits selbst in ihre PLE integrieren können und andererseits auch ihre im Rahmen der PLE vollzogenen Aktivitäten und deren Produkte in anderern Online Umgebungen auf der Basis von Standards zur Verfügung stellen können” definiert.” (Kalz/Schaffter, 2009).

Dem gegenüber steht das LMS als ein in sich abgeschlossenes System, welches den Lernenden zwar einen geschützten Raum bietet, jedoch recht starre (von den Lehrenden vorgegebene) Strukturen aufweist und in den meisten Fällen als abgeschlossene Einheit auftritt. Diese Tatsache ist wohl auch der Ursprung von Kerres‘ Idee, ein LMS als “Insel” zu bezeichnen.

Im LMS generierte Inhalte lassen sich meist nicht oder nur schwer weiterverwenden und Inhalte von ausserhalb können meist nur durch Lehrende integriert werden. Im Gegensatz dazu können PLEs einfach durch die Lernenden selbst um weitere Dienste oder Inhalte erweitert werden.

‘Kritik’ am Konzept PLE auf der Primar- und Sekundarstufe I

Kerres beschreibt in seinem Aufsatz “Potenziale von Web 2.0 nutzen” die Bedeutung von Web 2.0 für den Aufbau eines persönlichen Lernraumes durch die Lernenden selbst. Hierbei diskutiert er eine neue Generation von Lernenden, welche das Internet nutzen um eigene persönliche Lernumgebungen zu generieren, weist aber darauf hin, dass die Orientierung in diesem Lernraum und die sinnvolle Organisation und Strukturierung dieses Lernraums hohe Anforderungen an die Lernenden stellt:

“Dabei ist durchaus zu bedenken, dass für die Einrichtung und die Konfiguration einer solchen eigenen Lern- und Arbeitsumgebung eine Reihe von anspruchsvollen Kompetenzen aufseiten der Lernenden erforderlich sind.” Genau in diesem Punkt dürften sich aber nun ganz wesentliche Unterschiede zwischen den Kompetenzen eines Studierenden an einer Hochschule und einer Volksschülerin oder einem Volksschüler zeigen. Dies lässt mich vermuten, das PLEs wohl eher in einer universitären (oder voruniversitären) Ausbildung eingesetzt werden können, LMS dagegen – durch ihre vorgegebenen und z.T. anpassbaren Strukturen bestimmt – auf verschiedenen Stufen einsetzbar sind.
Vision: LMS als PLE?

Wünschenswert wäre, wenn LMS und PLE  weiter miteinander ‘verschmelzen’ würden und das LMS in Zukunft  als PLE fungieren würde, um die Vorteile beider Konzepte zu übernehmen. Um dies zu gewährleisten, wäre es wichtig, zuverlässige Standards zum Austausch unterschiedlichster Lern- und anderer Inhalte zu schaffen und weiter zu entwickeln. So, dass Produkte aus Lernprozessen nicht in abgeschlossenen Systemen ‘gefangen’ bleiben und als Eigentum der Lernenden transportabel bleiben. Weitere Wunschszenarien an das LMS der Zukunft, welche dieses zu einer PLE (oder einem grösseren Teil davon) machen könnte wäre z.B. eine gewisse Intelligenz bei der Auswahl der Lerninhalte, wie sie aus dem eCommerce (Käufer, welche dieses Produkt gekauft haben, haben auch … gekauft.)  bereits bekannt ist.

Da ich selber eine Moodle-Umgebung betreue und sie auch nutze möchte ich an dieser Stelle kurz auf Moodle 2.0 zu sprechen kommen. Diese scheint nämlich nach meinen ersten (zugegeben dürftigen) Informationen einen Schritt weg vom reinen LMS in Richtung PLE zu machen, in dem es ermöglicht wird, auf sogenannte Repositories (Flickr, Facebook, GoolgeDocs) zuzugreifen und Inhalte von da zu aggregieren respektive Inhalte auf andern Plattformen (Mahara) bereitzustellen.

Im D21-Projektblog bin ich auf einen Artikel von René Scheppler gestossen, in welcher der Autor die Metapher einer “Insel mit Häfen” verwendet um das neue Konzept hinter Moodle 2.0 zu erklären. Er beschreibt ein LMS, welches immer noch relativ abgeschlossen ist (Insel), in welchem in einer geschützten Umgebung gelernt werden kann. Anschliessend kann das LMS via “Hafen” (Schnittstellen) ins Internet verlassen werden und man kann vom LMS ausgehend seine eigene PLE aufbauen und anwenden, was man im geschützten Raum gelernt hat. Im übertragenen Sinn beschreibt er hier eigentlich was in der Lehre auch ohne digitale Medien geschieht – man eignet sich in einem geschützten Rahmen etwas an, was man schlussendlich im realen Leben erproben (und allenfalls korrigieren) muss.

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