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Kunstwerk im Zeitalter des Internet

mashupart

Den Veranstaltern der Diskussionsrunde «Kunstwerk im Zeitalter des Internet»,anlässlich der Eröffnung eines Museums für digitale Kunst,  ist es gelungen, namhafte Persönlichkeiten zu gewinnen: Walter Benjamin, deutscher Philosoph und Literaturkritiker, Ophir Kutiel aka Kutiman, israelischer Musiker, Komponist und Mash-Up Künstler (THROU YOU), Medienpädagogin Dalila Cohen, Juristin Alya Chalid, der renommierte Kunstkritiker Max Niederberger und XY, Mitglied der Piraten-Partei diskutierten über Kunstformen im Zeitalter des Internet.

Während sich die anderen Beteiligten zunächst zurückhalten, liefern sich die Juristin Alya Chalid und XY von der Piratenpartei einen ersten Schlagabtausch. Während Chalid die Frage in den Raum stellt, ob das Urheberrecht Mash-Up Künstler denn nicht betreffe wenn diese sich bei anderen Kunstwerken bedienten und diese als «moderne Kunst-Piraten» bezeichnet fordert XY eine zeitgemässe Überarbeitung der Rechtsgrundlagen. Es könne nicht sein, dass Personen durch ihr Kunstschaffen kriminalisiert werden. Kunst entstehe schon seit jeher durch Aufgreifen und Verändern bestehender Ideen und Werke. Den Argumenten der iranischen Juristin, Bruchstücke anderer Werke könnten so in einen falschen Zusammenhang gestellt werden hält er entgegen Dokumentarfilme zum Beispiel könnten oft gar nicht ohne Wiederverwendung von bereits bestehendem Material realisiert werden – dies sei aber akzeptiert.
Walter Benjamin mischt sich mit der Frage, ob sie denn sicher seien, dass es sich hierbei überhaupt um Kunstwerke handle, in die Diskussion ein und verweist auf sein Zitat «Die Einzigartigkeit des Kunstwerks ist identisch mit seinem Eingebettetsein in den Zusammenhang der Tradition» in Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Frankfurt am Main 1966, S. 16. Reproduktionen – und das sind seiner Ansicht nach solche Mash-Up Kunstwerke – aberkennt er jegliche Aura (Einmaligkeit, Echtheit).
Er sieht Mash-Ups als Vertreter einer sich immer mehr und schneller vernetzenden Internet-Gesellschaft als Steigerung der beschleunigten Wahrnehmung. Ebenfalls merkt er die schwindende Trennung zwischen Autor und Publikum an – und verweist auf den Begriff «Prosumer».
«Even the most perfect reproduction of a work of art,” Benjamin writes, “is lacking in one element: its presence in time and space, its unique existence at the place where it happens to be…The presence of the original is the prerequisite of the concept of authenticity»
Kutiman weist auf die Einzigartigkeit seiner Werke hin. Sie bestünden zwar aus unzähligen klein(st)en Sequenzen anderer bereits bestehender Songs, sind in ihrer Abfolge aber als Ganzes wiederum einzigartig. Er sieht keinen Unterschied darin, ob Farben und Leinwand, Buchstaben und Papier oder digitale Sequenzen zu Kunstwerken verarbeitet werden.
Die Medienpädagogin Dalila Cohen zitiert McLuhan und stärkt somit Kutimans Position: «Medien sind Erweiterungen des Menschen», sie dienen dazu, unsere Ideen umzusetzen, die Idee an sich entstammt aber dem Menschen, von daher verstehe sie jegliche Art von Mash Up als Kunstform. Jedoch erkennt auch sie rechtliche Unklarheiten.
Die Kunstkritikerin sieht Probleme der digitalen Kunst eher in ihrer Konservierbarkeit und begrüsst Kunst, welche für einen grossen Teil der Menschen übers Internet verfügbar ist. Ihre Definition von Kunst – eine Ergebnis gezielter kreativer menschlicher Tätigkeit.
Die geführte Diskussion hat nie stattgefunden und basiert auf eigenen Phantasien oder Zitaten der Berühmtheiten. Es handelt sich hierbei ebenfalls um eine Art Mash Up zur gestellten Frage.

2 Kommentare

  1. Judith Buendgens-Kosten 30. August 2010 um 14:20 Antworten

    Walter Benjamin ist auch nicht mehr, was er einmal war… Wenn ich da an seine Arbeiten aus der Mitte der dreißiger Jahre zurückdenke… Damals klang “Verlust der Aura” noch ganz anders! Klar, Reproduzierbarkeit ist ein echter Aura-Killer, die Position hat er schon immer vertreten. Aber damals war die neue Massenkultur für ihn noch ein wirksames Mittel gegen den Faschismus. Na gut, da ist er wohl auf traurige Art desillusioniert worden. Aber hätte er seine These, daß Massenmedien wie Kino eine Möglichkeit sind, den Mensch an das Leben in der Moderne zu gewöhnen, wirklich verwerfen müssen?

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