Computerspiele sind Teil unserer Kultur – aber nicht alle

19. Juli 2012 — Leave a comment

Computerspiele sind Teil unserer Kultur … aber nicht alle!
Seit geraumer Zeit anerkennt Pro Helvetia, die Schweizer Kulturstiftung, dass Computerspiele einen Teil unserer Kultur ausmachen und zeigt dies auch mit der Initiative GameCulture. Doch als ich den Call for Projects SWISS GAMES 2012/2013 nicht nur überflogen sondern etwas detaillierter angeschaut habe bin ich auf Einschränkungen gestossen, welche mich ins grübeln brachten. Nebst einem Passus zu den Anforderungen über Form und Inhalte der zu fördernden Spiele

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2.1 BEDINGUNGEN BEZÜGLICH FORM UND INHALT DES SPIELS

  • Das Spiel ist für den Computer, das Mobiltelefon, ein Tablet oder eine Spielkonsole entwickelt.
  • Das Spiel enthält künstlerische und/oder experimentelle Aspekte.
  • Das Spiel ist ein autonomes Projekt, das Spielerlebnis ist nicht von anderen Werken abhängig.
  • Das Spiel ist an ein benennbares Zielpublikum gerichtet.
  • Das Spiel wird mindestens in zwei Sprachen realisiert. Zur Auswahl stehen Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch und Englisch.

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Findet sich auch ein Passus, welcher den Ausschluss gewisser Spielformen regelt.

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2.4 VON DER TEILNAHME AUSGESCHLOSSEN SIND

  • Spiele mit schulisch-pädagogischer und therapeutischer Zielsetzung.
  • Auftrags- und Werbeproduktionen.
  • Spiele, welche Angehörige eines Geschlechts oder einer Gruppierung in erniedrigender Weise darstellen oder allgemein die Menschenwürde verletzen.
  • Spiele, welche die Gewalt verherrlichen oder verharmlosen.
  • Spiele, welche einen pornografischen Charakter haben.
  • Spiele, die ein bereits bestehendes Spiel plagiieren

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Bis auf eines (oder allenfalls zwei) Kriterien sind die Ausschlusskriterien einleuchtend – wer will schon ein gewaltverherllichendes oder erniedrigendes Spiel unterstützten. Doch Pro Helvetia verweigert auch Spielen in welchen etwas gelernt (oder beworben) wird mögliche Unterstützung. Letzteres ist irgendwie noch nachvollziehbar, dass aber LernSpiele mit der impliziten Begründung, dass Lernen keinen kulturellen Aspekt hat von der Eingabe zum vornherein ausgeschlossen werden finde ich interessant.
 Ganz grundsätzlich stellt sich mir dabei schon die Frage, ob sich den Bildung und Kunst grundsätzlich ausschliessen … respektive ob Bildung nicht Teil unserer Kultur ist?
Pro Helvetia schreibt sich auf die Fahne die Vertiefung der beruflichen Erfahrung für den Nachwuchs, Förderung des künstlerischen Schaffens oder Projekte und Anlässe, die neue kulturelle Impulse geben zu unterstützen – könnte das denn nicht auch durch die Unterstützung eines Lernspieles gehen, welches KULTURtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen oder andere Kompetenzen fördert?
Und, im Gegenzug liest man,  dass das EDA mit Unterstützung von Pro Helvetia und Kanton und Stadt Zürich drei Spiele entwickelt hat, mit welchen Jugendlichen im Ausland  Informationen über die (Kultur in der) Schweiz vermittelt werden sollen.

Marc Widmer

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