
Letzten Donnerstag fand der 1. nationale Tag der Medienkompetenz statt. Die Hauptveranstaltung unter dem Titel «Nationales Fachforum Jugendmedienschutz» in Fribourg wurde ergänzt durch Übertragungen (und Aktivitäten?) an weiteren Standorten in allen Landesteilen.
Ich muss mich etwas selber an der Nase nehmen. Intuitiv habe ich zwei Fachforen gewählt, welche für mich nichts wirklich neues zu Tage gefördert haben (aber trotzdem von interessant über amüsant bis haarsträubend waren).
Als eines der Highlights kann man wohl die Rede von BR Didier Burkhalter bezeichnen, welcher sich über den sonst omnipräsenten Versuch, die Jugend vor den Medien zu schützen hinweggesetzt hat und in seiner Rede mit dem Titel «Die Bildung ist der Schlüssel» auch auf die Potenziale neuer digitaler Medien einging.
Wie ich scheinen viele Menschen zu funktionieren – man wählt bekanntes und will sich nicht (allzusehr) mit Neuem, Unbekanntem auseinandersetzen. So erkläre ich mir die Tatsache, dass nicht wirklich viele Lehrpersonen, Schulleitungen und Bildungspolitiker (mal abgesehen vom höchsten Bildungspolitiker der Schweiz) in Fribourg anwesend waren. Stattdessen hätte man die Tagung auch educanet2-Tagung, UNM-Tagung, 1:1-Computing-Tagung nennen können und man hätte ähnliche Teilnehmende angetroffen. Exemplarisch dafür war auch der Konsens der Podiumsteilnehmenden zum Thema «Wie sieht ein positiver Medienalltag aus?»
Wie die Situation an den “Übertragungsorten” ausgesehen hat, kann ich nicht beurteilen – doch mich beschleicht das Gefühl dass die breite Masse (noch) nicht für das Thema sensibilisiert werden konnte und genau das müsste eigentlich passieren. Auch die Medienberichterstattung kann da wohl nicht viel dazu beitragen, zu stark wurden (für meinen Geschmack) die Riskiken und Gefahren in den Vordergrund gerückt. Hätte ich nur die Tagesschau geschaut, würde ich in Versuchung geraten, den Tag als Cyberbullying-Tag in meiner Erinnerung zu verankern.
Meiner Ansicht nach sollten Bedenken dass Kinder, welche z.B. persönliche Smartphones zum Lernen (in der Schule) einsetzen jedoch keine bessere (messbare) Leistung erbringen langsam aber sicher durchdiskutiert sein … und dass Soziale Netzwerke (Es gibt auch andere als Facebook!) und digitale Medien im allgemeinen gewisses Potenzial für deviante Nutzungsmuster bieten ist erkannt. Doch existieren die wohl bei allen analogen Lernmedien auch, so kann ich zum Beispiel sehr gut mit einem Filzstift an die WC-Tür in der Schule irgendwelche Verleumdungen schreiben mit einem Block oder Buch jemanden zusammenschlagen usw. deswegen wird aber wohl deren Einsatz in keinster Form in Frage gestellt und man sieht keinen Bedarf Kinder vor öffentlichen Toiletten oder Filzstiften zu schützen. Ebenso kommt niemand auf die Idee, Lesekompetenz nicht fördern zu wollen weil es ja eine fächerübergreifende Kompetenz ist und es steht auch nicht zur Diskussion dass dafür alle Lernenden mit Büchern ausgestattet werden (Quelle).
Die skurrilste These des Tages formulierte wohl Serge Tisseron mit seiner 3-6-9-12-Regel. So sollen Kinder bis 3 Jahren von jeglichen Arten von Bildschirmen ferngehalten werden, bis 6 Jahre über keine eigene Spielkonsole verfügen, vor 9 Jahren kein Internet konsumieren und vor 12 Jahren das Internet nicht unbeaufsichtigt nutzen.
Während Heinz Moser bereits vorgängig über die Veranstaltung gebloggt hat, haben Beat Döbeli und @strehlst ihre Gedanken im nachhinein zusammengefasst. Ausserdem gibt es unter dem Hashtag #tdmk11 - welcher sich trotz fehlendem WLAN und geringer Beteiligung am virtuellen Diskurs etabliert hat – Tweets aus/zu den Veranstaltungen.
Jetzt bleibt mir nur noch abzuwarten, dass die Ergebnisse von JAMESfocus – welche Prof. D. Süss zitiert hat demnächst auch für mich zugänglich werden – so kann ich mir die unterschiedlichen Mediennutzungstypen noch einmal zu Gemüte führen und mich versuchen einzuordnen.