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Digital Natives, die nach 1980 geborenen, sollen, so Mark Prensky, durch das Aufwachsen im Zeitalter von Computer und Internet einen anderen Zugang zu diesen Technologien haben und dadurch auch anders lernen. Schulmeister hält dagegen und spricht der «Netzgeneration» jegliches Anderssein ab. Er fügt dabei an, dass technologische Fortschritte – oder eben neue Medien – in allen Teilen der Gesellschaft ihre Wirkungen hinterlassen und nicht lediglich bei den jüngeren Mitmenschen. Ebenfalls zitiert er Studien, welche darlegen, dass Film und Musik (passiv konsumieren) nachwievor einen substanziellen Teil des Medienkonsums der Jugendlichen ausmachen.

Beat Döbeli hat sich in seinem Blog zu seinen eigenen Erfahrungen mit Digital Na(t)ives geäussert. Er zeigte sich vor 3 Jahren enttäuscht über das Unverständnis und Desinteresse seiner Studierenden gegenüber (für diese Generation) alltäglichen Medien. In der Diskussion zeigen sich die Kollegen Appelt und Hodel weniger erstaunt und führen an, dass es unter umständen ein Charakteristika von “Natives” sei, sich nicht um Alltägliches zu kümmern, dem mit einer gewissen Gleichgültigkeit zu begegnen und dass ein in den Bergen geborener nicht automatisch ein guter Kletterer sei. Ein in diese Generation hineingeborener muss also die Kompetenzen ebenso erlernen wie ein Digital Immigrant.

Dem Begriff Web 2.0 wird oft nebst den technologischen Innovationen auch eine veränderte Wahrnehmung zugeschrieben. Leute haben die Möglichkeit Inhalte selber zu generieren (z.B. Wikipedia, Communities etc.) und nutzen dies auch. Das Vorhandensein dieses Schwarm-Denkens ist nach meiner Einschätzung ein weiteres Indiz dafür, ob jemand nun zur Generation 2.0 – den «Digital Native» – gehört oder eben nicht.

Sowohl Schulmeister als aus Prensky vertreten extreme Positionen – wie meistens denke ich, liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Als Digital Native tendiere ich eher dazu, diese Generation ernst zu nehmen, bin mir aber bewusst, dass die von Prensky beschriebenen Eigenschaften lange nicht auf alle nach 1980 Geborenen zutrifft, sicherlich auch «digitale Eingeborene» mit Jahrgang älter als 1970 existieren. Trotzdem finde ich den Ansatz nicht schlecht, versteckt sich doch in der Diskussion eine Frage, welche Prensky dazu nutzt, neue Unterrichtsmethoden und angepasste Inhalte in den Schulen zu fordern. Dass Computer und Internet das Lernen aber auch das Verhalten heutiger Generationen grundlegend beeinflussen scheint unbestritten, so schildern Palfrey und Gasser z.B. wie das Internet der heranwachsenden Generation als Experimentierküche für ihre Identitätsbildung dient.

Der kompetente Umgang mit (neuen) Medien wird heute neben Schreiben, Lesen und Rechnen gerne als vierte Kulturtechnik bezeichnet. Etwas ketzerisch liesse sich formulieren, dass heute das Wissen wo und wie zuverlässige Informationen gefunden werden und wie mit der Flut an Informationen umgegangen wird deutlich wichtiger ist, als z.B. Fremdsprachen auf Vorrat zu lernen oder Schönschreiben in einem Zeitalter wo kaum noch jemand längere (formale) Texte von Hand schreibt. Auch der Reflektion über das eigene Nutzungsverhalten sollte in Zukunft ein erhöhter Stellenwert zukommen.

Interessant wäre mal die digital Natives selber zu fragen und nicht digital Immigrants Theorien formulieren zu lassen …

kidsinternet

[Bild: RWTH Aachen]

Via twitter bin ich auf folgenden Spiegel-Artikel gestossen, von welchem mir bereits jemand erzählt hat.

[...]Es ist zwar ebenso wahr wie gefährlich, dass vielen Menschen nur noch als Realität erscheint, was unter den ersten zehn Google-Treffern zu finden ist. Das aber ist ein Problem der Medienkompetenz in der Gesellschaft und nebenbei einer der Gründe, weshalb ich ein Schulfach Interneterziehung fordere; Eltern können heute ihren Kindern viele notwendige Erkenntnisse nicht vermitteln, weil es das Internet noch nicht gab, als sie ihre gesellschaftliche Prägung und Ausbildung erfuhren.

Das spräche ja eigentlich sehr für ein Fach Medienbildung im Lehrplan 21, wie das im Kanton Solothurn bereits Tatsache ist. Ausserdem wäre es einmal mehr ein Argument gegen all jene, welche eine Office-Schulung als sinnvoller fürs (zukünftige) Arbeitsleben von Oberstufenschüler/innen erachten, obwohl längst das Gegenteil «bewiesen» ist.

Das Internet hat das Bewusstsein der jüngsten Generation erobert, und das auf andere Weise, als die Älteren es annehmen. Schirrmacher hat recht, wenn er die Tragweite der digitalen Vernetzung als gigantisch einschätzt. Ich halte die Auswirkungen auf die Gesellschaft und besonders auf die kommenden Generationen für so revolutionär, als wären Buchdruck, Telefon und Fernseher gleichzeitig erfunden worden.

Ist das Internet wirklich eine solch wahnsinnig revolutionäre Errungenschaft?
Das eigentlich spannende an diesem Beitrag kommt aber noch …

Der Kommunikationsfachmann Peter Figge erzählt die Anekdote seines zehnjährigen Sohnes, der ihn fragt, wie die Menschen ins Internet gekommen seien, bevor es Computer gab. Besser lässt sich das Verhältnis der Jugend von heute zum Netz kaum beschreiben. [...]

Ist doch tatsächlich ein Beweis, dass es «Digital Natives» gibt, auch wenn sie manchmal etwas «digital naiv» sind.

traumschule

Beim Auf- und Ausräumen des Schulzimmers bin ich auf spannende Schülererzeugnisse gestossen. Meine Kollegin hat ihre Schüler und Schülerinnen Texte zu ihrer Traumschule oder der Schule der Zukunft schreiben lassen. Die Ergebnisse liessen mich aufhorchen und schmunzeln und begeisterten mich so, dass ich alle 27 Texte lesen musste …

Das Ergebnis war für mich doch erstaunlich: Computer kamen vor, spielten aber keine so grosse Rolle, wie ich das erwartet hätte. Die meisten wünschten sich spätere Unterrichtsbeginne oder neue Möbel und schön farbige Schulzimmer. Nur 3 von 27 Schülerinnen (!) schrieben über Computer. Eine hätte gerne in das Pult integrierte Bildschirme, die anderen zwei hätten gerne für jeden Schüler einen Laptop im Schulzimmer. Eigentlich eher bescheidene Wünsche. Weiter standen noch Spezialräume recht hoch im Kurs. Zum Beispiel wünschten sich die Kinder eine Schulbibliothek, einen coolen Aufenthaltsraum mit Minibar, Massagesessel und weiteren Annehmlichkeiten. Der von mir am ehesten erwartete Wunsch “keine Hausaufgaben” fand auch den Weg in die Aufsätze aber etwa ähnlich wenig wie die Computer.

Warum diese Ignoranz gegenüber Computern, habe ich mich gefragt und ein bisschen gegrübelt.
Für mich gibt es zwei mögliche Szenarien. Entweder sind sie von unserer Schule schon so desillusioniert, dass zuerst einmal das Grundbedrürfnis “schöne Schulzimmer und brauchbare Möbel” gedeckt werden muss oder Computer (Mobile Devices) sind schon so in ihr Leben inegriert, dass sie dies gar nicht mehr erwähnen, weil es für sie absolut selbstverständlich zu ihrem Leben dazugehört.

kidoncomputer

Letzthin im Museum für Kommunikation in Bern: Ich stöbere durch die Ausstellung «As time goes Byte» – keine Kinder weit und breit. Computer von anno dazumal sind ausgestellt, doch diese scheinen die Kinder ebenso wenig zu interessieren, wie interaktive Stationen zu den Themen Peripheriegeräte, Algorithmen oder dem Weg der eMail.Zuvor in der Ausstellung zur (Tele-)Kommunikation von der Brief- über die Rohrpost zum Telegrafen und zum Radio und Fernsehen, alle (interaktiven) Stationen waren besetzt, die Kinder haben ausprobiert und kommuniziert.
Ganz zum Schluss dann in der eher langweiligen Ausstellung «Bilder die haften» zum Thema Briefmarken: Es gibt zwei Computerstationen, an welchen Kinder ihre eigenen Briefmarken gestalten und anschliessend ausdrucken können. Ein Vater mit seinen zwei Kindern (ca. 3 und 5 Jahre) gestaltet Briefmarken. Dem kleineren Kind assistiert er, indem er es bei der Mausbedienung unterstützt. Das grössere Kind gestaltet seine eigenen Briefmarken ohne Probleme selber, navigiert auf dem Bildschirm, fügt Grafiken hinzu, löscht wieder und druckt seine Produkte aus.
Mein Fazit aus diesen Beobachtungen:

  1. Kinder interessieren sich wenig für den Hintergrund von Computern, sie wollen sie benutzen
  2. Bereits kleinste Kinder sind heutzutage fähig, Computer (bewusst) zu bedienen und Ergebnisse herzustellen, dies sollten wir uns bei der Förderung der Kinder – sei das der eigenen oder in der Schule – merken

Weiter ist mir noch etwas recht besorgniserregendes aufgefallen: Gewisse Eltern haben extrem Mühe, einfachste Anweisungen zu lesen und diesen dann folge zu leisten. Die meisten Anweisungen sind so geschrieben, dass ein Mittelstufenschüler diese verstehen und ausführen kann. Doch mehrere Beobachtungen meinerseits zeigten, dass gewisse Eltern diese nicht ausführen konnten.

Persönlich bin ich der Meinung dass aus gut nicht automatisch berühmt folgt und schon gar nicht umgekehrt. Trotzdem finde ich die Skizze recht anschaulich …

Via Penelope Trunk bin ich per Zufall auf eine etwas seriösere Auflistung von Bedingungen für gute Blog-Postings gestossen:

1. Starte mit einem «Boom» – die ersten Worte müssen Eindruck machen und «fesseln»

2. Sei kurz – nichts ödet mehr an, als seitenweise Text

3. Pflege deine Verbindung zu deinen Lesern – denn ein Blogger hat eine nähere Beziehung zu seinen Lesern als jeder andere Journalist

4. Sei leidenschaftlich – schreibe über Dinge zu denen du wirklich was zu sagen hast

5. Recherchiere – sag aber auch deine Meinung

Den vollständigen Artikel gibt es hier .

Amazon.de: B� Generation Internet. Die Digital Natives: Wie sie leben - Was sie denken - Wie sie arbeiten

Eigentlich wollte ich das Buch ja auf englisch lesen, es wäre ein gutes Training. Gestern habe ich zufällig aber herausgefunden, dass das Buch scheinbar seit kurzem auch in deutscher Sprache vorliegt und es mir direkt bestellt. Dann nehm ich mir für das nächste Jahr halt andere Vorsätze.

Update: Dummerweise ist das Buch erst heute angekommen, jetzt wo die Ferien schon fast vorbei sind …

Bin ich ein Digital Native ? … Podcast

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